Schöne Dinge für Texter (1): Die Schreibmaschine
1. Aug 2008 von Albert Bloch
Die technische Ausstattung eines Texter-Büros ist nicht besonders aufwändig. Ich komme z.B. mit einem Laptop samt externem Bildschirm, Drucker, Internetanschluss und Telefon aus.
Daneben gibt es in meinem Büro aber noch Dinge, die man eigentlich nicht braucht, weil sie z.B. hoffnungslos veraltet sind – echte Liebhaberstücke eben. Eines dieser Dinge ist meine Schreibmaschine – eine Olympia SG 3.
Sie funktioniert einfach
Bevor der Computer seinen Siegeszug in den heimischen Büros antrat, war die Olympia SG 3 das Arbeitspferd in vielen Schreibstuben und Amtsräumen. Kein Wunder: Ihre Mechanik war so ausgereift, dass sie nur ab und zu neu justiert werden musste – technische Probleme gab es so gut wie nie.
Meine Schreibmaschine stammt aus den Beständen der Tiroler Wasserkraft AG (Tiwag) – ich habe sie von meinem Opa bekommen, der lange Zeit in dieser Firma gearbeitet hat. Als er aus der Tiwag ausschied, konnten die Mitarbeiter diese Maschinen zu einem Spottpreis erwerben.
Was aber macht nun den Reiz dieser Schreibmaschine aus?
Nun, zunächst einmal ist es der tolle Klang, den die Tasten beim Anschlag von sich geben. An dieses satte "Tschlack" kommt einfach keine Computertastatur heran. Und dann ist es natürlich der Tastaturanschlag, der so ganz anders ist wie bei einer Computertastatur. Hier merkt man, wie die einzelnen Typen per Muskelkraft bewegt werden – einfach ein sinnliches Vergnügen.
Manchmal setze ich mich einfach nur so an meine Schreibmaschine, um dieses Vergnügen zu genießen. Sie ist aber auch eine tolle Motivationshilfe, wenn mir einmal nichts einfallen will. Denn das Schreiben auf ihr macht so großen Spaß, dass ich meistens innerhalb kurzer Zeit in einen Schreibfluss komme. Und ehe ich mich’s versehe, habe ich eine prima Vorlage für meine Texte, die ich dann in den Computer übertragen kann.
Geschliffene Worte statt elektronischer Geschwätzigkeit
Schreibmaschinen haben gegenüber Computern noch einen großen Vorteil. Da es meist keine Korrekturmöglichkeit gibt, muss man sich genau überlegen, was man schreibt. Man muss sich also bereits beim Vorgang des Schreibens um eine geschliffene Sprache bemühen. Nicht umsonst schreiben viele Romanautoren auch heute noch auf Schreibmaschinen.
Und es gibt noch einen Grund, warum ich hin und wieder einen Brief auf meiner Olympia tippe: Da heutzutage beinahe niemand mehr auf der Schreibmaschine schreibt, ist das eine super Möglichkeit aufzufallen.