Lernen Sie aus meinen Fehlern und machen Sie unerfahrenen Auftraggebern keine Gratisangebote
23. Sep 2008 von Albert Bloch
Warum Sie grundsätzlich faire Preise verlangen sollten, darüber habe ich in diesem Blog ja schon mehrmals geschrieben. Auch darüber, dass sich Gratisarbeit (meistens) nicht lohnt. Denn versprochene Zusatzaufträge bleiben oft aus.
Anders schaut es mit Garantien aus. Hier können Sie Ihren potenziellen Kunden schon einmal anbieten, dass sie für Ihre Arbeit nur dann zahlen müssen, wenn sie damit 100%ig zufrieden sind.
ABER ACHTUNG: So ein Angebot sollten Sie ausschließlich erfahrenen Auftraggebern machen. Sonst kann es leicht ein Schuss nach hinten werden – wie ich selbst erfahren musste.
"Probieren ohne Risiko"
In meiner Anfangszeit als Texter habe ich potenziellen Kunden das Folgende angeboten:
Ich schreibe Ihnen einen Werbebrief, der Sie absolut überzeugen wird. Sie brauchen ihn nur zu bezahlen, wenn Sie 100%ig damit zufrieden sind. Falls er Ihnen nicht gefällt und Sie ihn nicht verwenden möchten, bezahlen Sie nichts und die Sache ist für Sie erledigt.
Bei erfahrenen Auftraggebern, die schon mehrmals mit Direct Mailing zu tun hatten, funktionierte das hervorragend. Denn mit dieser Garantie beseitigte ich die Hemmschwelle, es einmal mit einem neuen Texter zu versuchen. Und nach dem ersten Gegenlesen haben meine Kunden gesehen, dass ich wirklich etwas von meinem Handwerk verstehe und kein Dampfplauderer bin.
Und: Sie haben sich den Text unter dem Gesichtspunkt angeschaut, ob er ihren Kunden gefallen wird und somit neue Geschäfte generiert.
Der Köder muss dem Fisch schmecken – nicht dem Angler
Bei unerfahrenen Auftraggebern hat mir diese Garantie allerdings keine Freude gemacht – ganz im Gegenteil. Denn Kunden, die nur ab und zu einen Werbebrief verschicken, neigen dazu, den Text danach zu beurteilen, ob er ihnen gefällt. Sie schauen also sozusagen, ob der Köder dem Angler schmeckt – und das ist natürlich unsinnig.
So geschehen bei einer kleinen Firma aus Norddeutschland, die ihre Kunden zu einem Tag der offenen Tür einladen wollte. Dazu rief die Sekretärin bei mir an. Sie erklärte mir, dass man Werbetexte bisher zwar immer im Haus gemacht habe. Aber ein befreundeter Geschäftsmann habe mich empfohlen und nun wolle man das einmal ausprobieren.
So weit, so gut.
Ich arbeitete mich also in die Produktlinie und Philosophie der Firma ein und nach acht Stunden reiner Arbeitszeit war ich soweit, dass ich den ersten Textentwurf abschicken konnte. Es war ein wirklich feiner Text geworden – einer, für dessen Funktionieren ich meine Hand ins Feuer legen würde.
Doch der Kunde sah das anders und lehnte den Text ab. Als ich ihn nach dem Warum fragte, war die Antwort: "Er gefällt uns nicht."
Fazit: Ich gebe die oben genannte Garantie noch immer ab. Allerdings nur noch gegenüber Interessenten, die schon mehrmals mit Direct Mailings zu tun hatten. Denn die sind in der Lage, die Qualität eines Werbetextes zu erkennen. Und ich erspare mir damit Zeit und Ärger.