“Ein guter Text verhilft zu mehr Umsatz, einem besseren Image und mehr Reputation!” – Interview mit Michael Bondzio
19. Jan 2009 von Albert Bloch
Seit zehn Jahren arbeitet Michael Bondzio als freier Werbetexter, zuvor werkte er bei führenden Werbeagenturen Deutschlands. Somit kann er auf einen riesigen Erfahrungsschatz mit großen und kleineren Kunden zurückblicken.
Michael Bondzio hilft seinen Kunden, die optimale Vermarktungsstrategie für ihr Unternehmen zu finden. Und darauf stimmt er dann die On- und Offline-Texte ab.
Lesen Sie hier das komplette Interview mit ihm…
Albert Bloch (AB): Was können Texter für ihre Kunden tun? Warum wenden sich Ihre Kunden an Sie?
Michael Bondzio (MB): Ein guter Texter löst für seinen Kunden eine kommunikative Aufgabe und verhilft ihm damit zum Beispiel zu mehr Umsatz, einem besseren Image, mehr Reputation – je nachdem, was die Aufgabenstellung ist.
Weil man kommunikative Aufgaben selten mit Text allein lösen kann, umfasst mein Tätigkeitsbereich in den meisten Fällen Beratung, Konzeption und erst dann den Text. Man kann es auch verkürzt sagen: Erst denken, dann texten.
Meine Kunden kaufen vor allem meine Erfahrung. Ich mache seit 20 Jahren Werbung, habe in großen und kleinen Agenturen für große und kleine Marken gearbeitet. Damit bin ich ein attraktiver Partner vor allem auch für kleinere Unternehmen, die von den Agenturen, in denen ich früher gearbeitet habe, wegen zu geringem Marketingbudget als Kunde abgelehnt worden wären.
Als freier Mitarbeiter oder auch im Verbund mit meiner virtuellen Agentur PLUSPLUS kann ich mir heute erlauben, auch Kunden mit begrenzten Budgets zu betreuen. Das macht Spaß, weil das oft spannende Projekte sind und man sich nicht mit mehrstufigen Entscheidungsgremien rumärgern muss, sondern den direkten Kontakt zu den Inhabern hat.
Ein großer Vorteil der Erfahrung ist natürlich die damit verbundene Glaubwürdigkeit, die es möglich macht, tatsächlich beratend tätig sein zu können. Ich kann Dinge sagen, die sich ein Anfänger wahrscheinlich kaum trauen würde oder die ihm der Kunde nicht abnähme. Manchmal ist das nötig, denn manche Marketingmaßnahme ist einfach von vornherein völlig falsch gedacht. Wenn ich das Gefühl habe, dass ein Kunde dabei ist, Geld zu verbrennen, sage ich das auch und mache Vorschläge für bessere Lösungen. Meistens kommt das ganz gut an.
AB: Welches sind Ihrer Meinung nach die Erfolgskriterien eines guten Textes?
MG: Ein guter Text trifft die Zielgruppe genau dort hin, wo die gewünschten Reaktionen ausgelöst werden. Welche das sind, hängt vom Briefing ab.
AB: In welchen Schritten gehen Sie vor, wenn Sie einen Text für einen Kunden erstellen?
MB: Briefing hinterfragen bzw. überhaupt erst eines entwickeln, Informationen recherchieren, Konzept entwickeln und präsentieren. Erst dann kommt die Longcopy, Headlines und Inhaltsangaben gibt es schon zusammen mit dem Konzept.
AB: Mangelt es bei Geschäftstreibenden an Bewusstsein darüber, wie wichtig gute Text für den Geschäftserfolg sind?
MB: Es gibt eine Menge Unternehmer, die wissen, wie wichtig gute Texte sind und die auch gut dafür bezahlen. Wenn die dann den verdienten Erfolg haben, freut das natürlich. Die anderen kommen vielleicht auch noch drauf.
Gerade im Internetbereich merkt man, dass immer mehr Unternehmer bei der Konkurrenz sehen, was gute Texte bewirken. Die rufen dann bei mir an und wollen auch so was. Das gab es früher nicht so häufig.
AB: Wie gelingt es Ihnen, Interessenten davon zu überzeugen, dass Sie einen Texter brauchen?
MB: So lange es genügend Kunden gibt, die davon schon von sich aus überzeugt sind, wäre das der falsche Ansatz. Scheint aber ein beliebter Anfängerfehler zu sein…
Erst vor einigen Tagen habe ich mit einer frisch am Markt aktiven freien Texterin telefoniert, die Schwierigkeiten mit der Akquisition hatte. Sie hat genau das versucht: Unternehmer davon überzeugen, dass sie einen Texter brauchen. Ich empfahl ihr, sich stattdessen bei Unternehmen vorzustellen, die schon regelmäßig mit Textern arbeiten.
AB: Welche Mittel setzen Sie selbst ein, um neue Kunden zu gewinnen?
MB: Früher habe ich noch etwas Kaltakquise per Telefon gemacht, war mühsam, brachte aber sehr attraktive Projekte. Heute mache ich gar nichts mehr, arbeite nur noch ab und zu an meinen Websites, die für mich die Neukunden einsammeln: www.bondzio.de, www.plusplus.de, www.website-optimieren.com.
Das beste Akquisitionsinstrument ist, gute Arbeit zu leisten. Dann kommen die Kunden wieder und erzählen anderen davon. Der gute alte Schneeballeffekt.
AB: Was raten Sie Ihren Kunden in der aktuellen Wirtschaftskrise?
MB: Das kann man so pauschal nicht sagen. Ein regionales Leasing-Unternehmen ist sicher anders betroffen als ein internationaler Stahlkonzern.
Grundsätzlich ist es sinnvoll, sich bei knapperen Budgets auf die Maßnahmen zu beschränken, die einen maximalen Effekt bringen. Dumm wäre es aber, gar nichts mehr zu tun – außer wenn wirklich die Kasse leer ist. Denn wenn viele Wettbewerber vorübergehend in der Versenkung verschwinden, habe ich natürlich auch mit einem reduzierten Budget mehr Präsenz als in Phasen, in denen alle auf Hochtouren Werbung machen.
AB: Abschließend eine persönliche Frage: Welche Seiten am Texterberuf lieben Sie besonders, welche schätzen Sie eher weniger?
MB: Die großartigsten Momente sind die, wenn eine kleine Idee einen Riesenerfolg hat. Das habe ich zum ersten Mal als Juniortexter mit einer Anzeige für das Schuppenshampoo Crisan erlebt.
Das war eine schwarze Doppelseite, über der man seine Haare ausschütteln sollte. Kleines Budget, aber eine gigantische Resonanz. Das freut einen natürlich, wenn es dann beim Kunden in der Kasse klingelt. So wie es mich freut, wenn mir ein Kunde erzählt, das er schon viele Werbebriefe verschickt hat und noch nie hat sich jemand gemeldet. Und beim ersten Brief von mir hat er zum ersten Mal zahlreiche Reagierer und gewinnt sofort einen neuen Großkunden.
Kleine Nachteile gibt es wahrscheinlich auch, aber mir fallen gerade keine ein …
AB: Stellen Sie sich bitte in ein paar Sätzen bei den Lesern Ihres Interviews vor.
MB: In die Werbung gelockt haben mich die Arbeiten von GGK und später Springer & Jacoby. Statt dort direkt als Texter zu starten, absolvierte ich aber erst mal ein Studium der Werbewirtschaft/Werbetechnik an der Fachhochschule für Druck (heute Hochschule der Medien), das ich als Jahrgangsbester abschloss.
Danach ging es in sechs Jahren bei HSR&S, Scholz & Friends und Springer & Jacoby vom Junior-Texter zum Kreativdirektor und somit immer weiter weg von der kreativen Arbeit hin zu endlosen Meetings, Personalgesprächen und prallem Lufthansa-Meilenkonto. Als die Headhunter die ersten Geschäftsführerverträge anboten, zog ich deshalb die Notbremse und wagte den Schritt in die Selbständigkeit, um wieder mehr kreativ arbeiten zu können.
Als freier Texter und Konzeptioner sowie später auch mit der virtuellen Werbeagentur PLUSPLUS bin ich seitdem für kleine und große nationale und internationale Unternehmen tätig.