Rekordsätze, die niemanden interessieren…
6. Apr 2009 von Albert Bloch
Wer meinen Lebenslauf kennt, weiß, dass ich ursprünglich im Journalismus gearbeitet habe. Auch heute noch verschlinge ich beinahe alles, was mir an Lesbarem unterkommt. Nicht selten kommt mir dabei das Grausen.
Warum?
Weil sich die Damen und Herren Journalisten offenbar nicht die Mühe machen, verständlich zu schreiben. Sie nerven mit blödsinnigen Metaphern, langweilen mit unsäglichen Satzkonstruktionen und verärgern mit falscher Rechtschreibung.
Ein paar schöne Beispiele finden Sie unterhalb…
Wer soll das denn lesen?
In Seefeld gibt es mehrere Gästezeitungen. In einer davon habe ich kürzlich dieses Satzungetüm gefunden:
Nach den Entwürfen des bekannten Tiroler Architekten Baurat Hubert Prachensky wurde ein Herzenstraum des großen Landesvaters für Tirol Eduard Wallnöfer auf die Initiative eines Kuratoriums um Bürgermeister Helmut Kopp durch die anerkannte Glockengießerei Grassmayr Wirklichkeit:
In seinem Buch “Deutsch!” legt Wolf Schneider dar, dass zwischen zweiteiligen Verben maximal 12 Silben liegen sollten. Im obigen Beispiel sind es 52 Silben, die “wurde” und “Wirklichkeit” trennen.
Tja, die Aufgabe von Journalisten wäre es, solche Satzungeheuer zu zertrümmern. Doch es kommt noch schlimmer. Denn im obigen Text geht es folgendermaßen weiter:
Die Glocke wurde aus Anlass des 25-jährigen Bestehens der Arbeitsgemeinschaft Alpenländer (ARGE ALP) und deren Gründerväter Alfons Goppel, Silvius Magnago und Eduard Wallnöfer als Symbol für grenzüberschreitende Zusammenarbeit und den Frieden im Alpenraum errichtet.
Hier trennen über 70 Silben die Wörter “wurde” und “errichtet”.
Von Textarbeitern kann man wirklich erwarten, dass sie verständlicher schreiben. Denn für sie gilt der Satz des kolumbianischen Philosophen Nicolás Gómez Dávilla: “Der Schriftsteller, der seine Sätze nicht foltert, foltert seine Leser.
Wahnsinn statt Wortsinn. Eins wird deutlich: Der Textarbeiter (schönes Wort) wurde ganz sicher nach Zeilen vergütet.
Schöne Grüße