Interview mit Martin Krolop (Krolop & Gerst)

Von Fotograf zu Fotograf: Albert Bloch spricht mit Martin Krolop

Wer sich ein bischen in der deutschsprachigen Fotografen-Szene im Internet bewegt, kommt an ihnen nicht vorbei: Martin Krolop und Marc Gerst gehören sicherlich zu den Fotografen, die im Web am präsentesten sind. Grund genug für mich, mit Martin Krolop ein Gespräch zu führen und ihn um Einsichten in seinen Berufsalltag, Tipps für Kollegen und seine Einschätzung der Zukunftsaussichten der kommerziellen Fotografie zu bitten

Albert Bloch (AB): Martin, ihr gehört zu den Fotografen, die im Doppelpack auftreten. War das eine bewusste Entscheidung oder hat sich das einfach so ergeben?

Martin Krolop (MK): Marc Gerst und ich arbeiten seit mittlerweile fünf Jahren zusammen. Die Zusammenarbeit war eine bewusste Entscheidung, die sich aber zufällig ergeben hat. Ich habe Marc auf einem Fotografen-Event kennen gelernt. Wir haben bald gemerkt, dass wir ähnlich ticken und auch menschlich gut miteinander können. Und so haben wir beschlossen, es miteinander zu versuchen.

Zunächst war es praktisch nur eine Art Studiogemeinschaft, die wir geführt haben. Jeder hat für sich gewirtschaftet, gewisse Kosten haben wir geteilt. Aber inzwischen sind unsere Geschäfte fest miteinander verschmolzen.

AB: Welche Vorteile und welche Nachteile bringt so eine Kooperation mit sich?

MK: Nun, ein Nachteil ist natürlich, dass man auf einmal doppelt so viele Aufträge akquirieren muss, damit beide gut leben können. Allerdings kann man sich auch jede Menge Kosten teilen, z.B. die Kosten für benötigte Ausrüstung, Studiomiete etc. Und nicht zuletzt ist man auch flexibler darin, Aufträge anzunehmen. Denn wenn der eine einmal keine Zeit hat, kann der andere einspringen.

Wir arbeiten ja viel in der Menschenfotografie und da ist es natürlich immer super, wenn man als Fotograf nicht allein ist, sondern einen kompetenten Partner hat. Wir können unseren Kunden gegenüber so auch kompetenter auftreten.

Vom Hobby zum Beruf

AB: Diese Frage muss sein – welcher Weg hat dich eigentlich in die kommerzielle Fotografie geführt?

MK: Ich bin so ein richtiger Quereinsteiger, wie man ihn sonst nur als Klischee kennt. Fotografieren war für mich zunächst nur ein Hobby, das mir wahnsinnig viel Spaß gemacht hat. Und dann war ich plötzlich an einem Punkt, dass mir die Leute Geld angeboten haben, wenn ich sie fotografiere.

Ich hatte außerdem das Glück, dass ich gleich zu Beginn meiner Karriere ein paar Leute getroffen habe, die meiner Bekanntheit sehr auf die Sprünge geholfen haben. Zu nennen wäre hier etwas das Team von Foto-TV.

AB: Du hast gesagt, dass die Fotografie für dich zunächst nur Hobby war – was hast du denn eigentlich vorher gemacht?

MK: Ich habe Jura studiert. Das Problem dabei war nur, dass ich dabei nie den Spaß und die Freude verspürt habe wie an der Fotografie. Wenn mich jemand fragt, was ich in den letzten fünf Jahren gearbeitet habe, sage ich immer: “Nichts”. Die Leute sind dann immer ganz erstaunt. Dann erkläre ich, dass sich Fotografieren für mich nicht wie Arbeit anfühlt, weil ich es einfach so gern tue.

AB: Betreibt ihr eigentlich ein klassisches Fotostudio, wo sich Leute porträtieren lassen können?

MK: Nein, wir arbeiten fast ausschließlich für Firmenkunden. Eine Ausnahme ist unsere Hochzeitsfotografie, wo wir natürlich mit Privatleuten zusammenarbeiten. Ich selbst mache allerdings maximal 4 Hochzeiten im Jahr, sonst verliert man zu leicht den Spaß daran. Den Rest fotografieren unsere Assistenten oder auch Marc.

Vertikale Spezialisierung als Erfolgsrezept

AB: Ihr habt euch auf People-Fotografie spezialisiert. War diese Spezialisierung eine bewusste Entscheidung?

MK: Ja, definitiv. Ich habe zuvor auch Landschaftfotografie gemacht und mir in Frankreich dermaßen die Füße abgefroren, dass mir die Lust daran dauerhaft vergangen ist. Dann habe ich Street-Fotografie versucht. Allerdings bin ich nicht so der Typ, der gern dauernd in der Gegend herumfährt und so blieb die People-Fotografie als logische Konsequenz übrig.

AB: Müssen sich Fotografen heutzutage spezialisieren, um erfolgreich zu sein?

MK: Ich glaube, ja. Wenn jemand alles macht, wird er nie wirklich gut auf einem Gebiet werden. Nur wer sich auf ein Spezialgebiet festlegt, kann hier wirklich außergewöhnlich werden und damit Erfolg haben.

AB: Wie habt ihr es denn geschafft, erfolgreich zu werden?

MK: Oh Gott, ich halte mich selbst gar nicht für so erfolgreich. Da gibt es sicher andere, die zum Thema Erfolg mehr sagen könnten. In der Fotografen-Szene bin ich ja eigentlich nur ein kleines Licht.

Ich wünsche mir ständig, Fotografien mit mehr Tiefgang schaffen zu können. Manchmal kommt mir das, was ich mache, so richtig platt vor.

Internet als wichtigstes Werbemedium

AB: Dennoch lässt sich nicht bestreiten, dass ihr gerade im Internt zu den Fotografen gehört, die am meisten Präsenz erzielen.

MK: Das stimmt, doch das ist harte Arbeit. Den Blog habe ich ja noch während meiner Studienzeit begonnen. Und schon damals habe ich jede Menge Zeit und Herzblut in diesen gesteckt. Irgendwann hat sich das ausgezahlt und die Leute sind auf uns aufmerksam gemacht.

Ein Goldesel ist unser Blog jedoch nicht. Wir verzichten ja ganz bewusst auf jede Art der Werbung und machen auch keine Beiträge, die nur darauf abzielen, Affiliate-Links zu kreieren. Aber ohne Zweifel war und ist unser Blog für uns ein ganz wichtiges Marketinginstrument. Er hat uns dabei geholfen, bekannt zu werden.

 AB: Was würdest du denn einem angehenden Fotografen raten, der Sie nach ein paar Erfolgstipps fragt?

MK: Werde Workaholic!

AB: Das musst due jetzt ein bisschen genauer erklären…

MK: Ich versuche ständig, alles noch ein bisschen effizienter zu machen, um ein paar Minuten Arbeitszeit einzusparen, die ich für anderes verwenden kann. Ich bin jeden Tag ab 7 Uhr im Studio und verlasse es meist erst gegen 22 Uhr, meinen letzten Urlaub hatte ich vor 5 Jahren. Es braucht einfach verdammt viel Zeit, um als Fotograf bekannt zu werden.

Mir ist zudem wichtig, meinen Kunden immer ein bisschen mehr zu geben, als sie von mir erwarten. Diese Einstellung spricht sich herum und bringt uns neue Kunden. Und – besonders wichtig – wer mit Leuten aus der Wirtschaft zusammenarbeitet, muss verlässlich sein. Du kannst als Fotograf noch so kreativ sein, wenn du nicht verlässlich bist, wirst du nicht gebucht.

AB: Das wird einige, welche die Fotografie eher romantisch sehen, aber ganz schön abschrecken.

MK: Verlässlichkeit und harte Arbeit sind das Um und Auf, um als Fotograf Erfolg zu haben. Kreative sind halt oft auch Schlamperer und das mögen die Kunden nicht gern. Die Wirtschaft will lieber zuverlässige Leute mit einer genügend großen Portion Kreativität, umd das Geforderte umzusetzen.

Workshops für persönlichen Kontakt

AB: Ihr bietet ja auch Workshops an. Sind die ein zweites wirtschaftliches Standbein?

MK: Von den Workshops könnten wir nicht leben. Wir kommen da ja oft mit einem ganzen Team und haben professionelle Models dabei. Außerdem halten wir die Teilnehmerzahl klein, damit alle auf ihre Kosten kommen.

Nein, die Workshops rechnen sich wirtschaftlich nicht. Sie sind eher dazu da, den persönlichen Kontakt zu anderen Fotografen und eventuell auch potenziellen Kunden zu pflegen. Und außerdem mache ich das einfach gerne.

AB: Zum Abschluss deine Einschätzung zur Fotografie – wie lässt sich heutzutage damit überhaupt noch Geld verdienen?

MK: Ich glaube, dass man sich heutzutage spezialisieren muss. Und viel Potenzial liegt sicherlich in der Videographie. Die Technik ist leistbar geworden. Hier steht uns vermutlich das ins Haus, was passiert ist, als die Fotografie plötzlich digital und leistbar wurde.

AB: Vielen Dank für das interessante Gespräch!

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