Interview mit Michael Kirchner

Von Fotograf zu Fotograf: Interview mit Michael “Omori” Kirchner

Michael Kirchner ist Menschenfotograf in Deutschland. Er hat sein Studio in der Nähe von Heidelberg und bedient Privat- sowie Firmenkunden. Vielen wird er auch durch seinen Blog fotografr.de bekannt sein, der für viele eine wertvolle Informationsquelle ist. Im Folgenden beantwortet er Fragen über seinen Werdegang als Fotograf und was man mitbringen sollte, um als solcher erfolgreich zu sein.

Albert Bloch (AB): Herr Kirchner, Sie bezeichnen sich selbst als Menschenfotograf. Warum diese Spezialisierung?

Michael Kirchner (MK): Menschen zu fotografieren ist das, was ich am liebsten mache. Es liegt mir ganz einfach und ich glaube, dass ich es auch ganz gut kann – zumindest, wenn ich meinen Kunden Glauben schenken darf. Ich fotografiere auch manchmal anderes als Menschen, kehre aber immer wieder gerne zur Menschenfotografie zurück.

AB: Verfügen Sie eigentlich über eine klassische Fotografenausbildung?

MK: Nein.

AB: Dann interessiert mich Ihr Weg in die Fotografie natürlich umso mehr.

MK: Nun, ich habe vor mittlerweile zehn Jahren mit dem professionellen Fotografieren begonnen. Ich habe anderen Fotografen assistiert und bei Ihnen mitgearbeitet und mir so die nötigen Kenntnisse angeeignet. Anfangs teilte ich mir noch ein Mietstudio mit anderen, doch dann wurde der Wunsch immer stärker, ein eigenes Studio zu betreiben. Und das habe ich dann gemacht.

Weiterempfehlungen als Top-Marketing-Maßnahme

AB: Muss sich ein Fotograf heute eigentlich spezialisieren, um Erfolg zu haben?

MK: Genau zu diesem Thema habe ich kürzlich einen Beitrag für die Fotocommunity geschrieben.Ich bin der Meinung, dass man hier differenzieren muss: Wer ein Ladengeschäft in einer gut frequentierten Lage führt, braucht sich nicht unbedingt zu spazialisieren. Der kann die komplette fotografische Bandbreite anbieten.

Wer jedoch kein Ladengeschäft hat, der sollte sich auf einen fotografischen Bereich festlegen und sich in diesem einen Namen machen. Ich glaube, das ist der einzige Weg, um aus der riesigen Masse an Fotografen herauszustechen. Denn ansonsten spielt sich der Wettbewerb nur über den Preis ab.

AB: Auf welche Maßnahmen setzen Sie denn für Ihr Marketing?

MK: Bei mir ist es glücklicherweise so, dass ich sehr viele Weiterempfehlungen bekomme. Wer einmal bei mir war, sagt das gerne Freunden und Bekannten und die kommen dann auch.

Enorm wichtig ist natürlich auch meine Website. Hier können sich potenzielle Kunden schon einmal vorab ein Bild von mir machen. Sie sehen, wie ich fotografiere, welche Preise ich habe und was für ein Mensch ich bin.

Qualität setzt sich durch

AB: Sie betreiben mit fotografr.de einen sehr erfolgreichen Weblog. Warum tun Sie sich diesen Aufwand an?

MK: Diesen Weblog habe ich 2008 gestartet. Mir gefällt der Gedanke, dass man sich mit einem relativ überschaubaren Aufwand öffentlich mitteilen kann. Und wenn ich sehe, dass Leute lesen, was ich schreibe, und dass ihnen das vielleicht auch gefällt, macht mich das sehr glücklich.

Das Blog ist für mich außerdem eine gute Möglichkeit, selbst etwas zu lernen. Ich schreibe ja nur über Dinge, die mich  interessieren. Da recherchiere ich dann und kann die Ergebnisse auf meinem Blog sozusagen zweitvewerten – eine echte Win-win-Situation.

AB: Es gibt zahlreiche Stimmen, die sagen, dass sich heute sowieso niemand mehr fotografieren lässt, dass das Privatkundengeschäft ausstirbt. Wie sehen Sie das?

MK: Ich beobachte seit Jahren eine Veränderung im Privatkundengeschäft. Es ist heute schon so, dass fast jeder irgendwen kennt, der auch eine Kamera hat und ganz gut fotografieren kann. Und da lässt man seine Fotos halt von so jemandem machen, zumindest wenn man nur auf den Preis schaut.

Auf der anderen Seite gibt es immer noch Leute, die auf Qualität setzen, in ein Fotostudio gehen und bereit sind, für gute Fotos auch Geld auszugeben. Dass das Privatkundengeschäft ausstirbt, glaube ich nicht.

AB: Sie arbeiten ja sowohl für Firmen- als auch für Privatkunden. Was machen Sie denn lieber?

MK: Hm, schwierige Frage. Zu Beginn meiner Karriere dachte ich immer, ich müsste mich auf eine Gruppe festlegen. Inzwischen ist es jedoch so, dass ich gerne weiterhin Private und Firmen bedienen möchte.

Für den Beruf brennen

AB: Was würden Sie denn einem Berufseinsteiger raten, wenn er Sie fragt, wie man als Fotograf erfolgreich wird?

MK: Zunächst würde ich mich vergewissern, dass derjenige auch wirklich Fotograf werden möchte. Ich habe es schon öfter erlebt, dass jemand gesagt hat: “Ich werde jetzt Fotograf, weil mir nichts Besseres einfällt, eine Kamera hab ich ja schon.” So ein Ansatz ist meiner Meinung nach zum Scheitern verurteilt.

Wer es heute, bei dieser Konkurrenz, schaffen will, der muss wirklich für die Fotografie brennen. Und zwar nicht nur ein paar Wochen oder Monate, sondern langfristig.

AB: Sie bieten auch Workshops an. Sind diese für Sie ein zweites Standbein oder gibt es dafür andere Gründe?

MK: Ich habe jetzt eine ganze Weile lang keine Workshops mehr angeboten. Erst jetzt gibt es wieder welche.

Mich fasziniert an den Workshops die Möglichkeit, mich mit anderen Fotografen austauschen zu können. Letztlich ist es ja so, dass die Teilnehmer nicht nur von mir lernen, sondern ich auch von ihnen. Und das finde ich eine ganz spannende Geschichte.

AB: Herr Kirchner, vielen Dank für das Gespräch!

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