Besuch im Krematorium

Momentan arbeite ich an einem Fotoprojekt namens “Lebensadern”. Dabei geht es mir darum, Bereiche unseres Lebens aufzuzeigen, die dieses am Laufen halten, ohne dass uns das bewusst ist. Meine Themen sind u.a. Wirtschaft, Unterhaltung, Verkehr, Infrastruktur und Medizin. Und je länger ich am Projekt arbeite, desto mehr neue Themen tun sich auf.

Das extrem Spannende an den “Lebensadern” ist, dass ich dabei in Firmen und Institutionen in Tirol fotografieren darf, die einem normalerweise verschlossen bleiben. Dafür ein herzliches “Danke” an alle, die mir das ermöglichen.

Mit dem Tod auf du und du

Ein Thema, mit dem sich die meisten von uns nur ungern beschäftigen, ist der Tod. Und dennoch ist er für viele Menschen Inhalt ihrer täglichen Arbeit. Man denke nur an die Bestatter, Totengräber oder auch die Mitarbeiter in den Krematorien.Vielen Dank an die freundlichen Herren der Innsbrucker Kommunalbetriebe, die mir einen Einblick in die Arbeit des Krematoriums Innsbruck ermöglichten.

Öfen im Innsbrucker Krematorium
Öfen im Innsbrucker Krematorium

Von außen betrachtet ist das Innsbrucker Krematorium ein recht schlichter, sachlicher Bau. Und auch innen setzt sich dieser Eindruck fort. Das erklärt sich dadurch, dass das Krematorium normalerweise nicht Ort des Abschieds von den Verstorbenen ist, das kommt nur in Ausnahmefällen vor. Pro Tag werden hier im Schnitt zwischen 8 und zehn Tote kremiert, die erste Kremierung beginnt normalerweise um 7 Uhr.

 

Krematoriums-Mitarbeiter kontrolliert den Ablauf der Kremierung
Krematoriums-Mitarbeiter kontrolliert den Ablauf der Kremierung
Asche
Die Überreste nach der Kremation

Die Temperatur in den Kremationsöfen erreicht weit über 1000 Grad Celsius. In dieser Hitze bleiben nur wenige Bestandteile des menschlichen Körpers erhalten und selbst diese ändern ihre chemische Struktur. Im Fachjargon wird das mit Kalzinieren bezeichnet. Die “Asche” nach der Kremation schaut deshalb auch nicht so aus, wie wir uns Asche vorstellen. Es handelt sich vielmehr um klumpenförmige Gebilde, durchsetzt mit Knochenüberresten. Diese werden noch zerkleinert und dann in die Urnen gefüllt.

Innenansicht Krematorium Innsbruck
Innenansicht Krematorium Innsbruck

Als Außenstehender könnte man meinen, dass die Arbeiter des Krematoriums einen makaberen Humor entwickeln. Doch das genaue Gegenteil ist der Fall: Mit den Toten wird sehr respektvoll umgegangen und ihre Würde wird gewahrt. Übrigens: Das Krematorium Innsbruck bietet in regelmäßigen Abständen Führungen an. Wer das Thema Tod nicht beiseite schieben möchte, sollte unbedingt einmal an einer solchen teilnehmen.

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