Erfahrungen aus dem Jugendlichen-Projekt

20 Mal bin ich im letzten halben Jahr ausgerückt, um Jugendliche in ihren Zimmern zu fotografieren. In die verschiedensten Zimmer wurde ich eingelassen, mit den verschiedensten Charakteren hatte ich es zu tun. Und nun ist das Projekt abgeschlossen. Zeit für mich, ein Fazit zu ziehen und auch der Frage nachzugehen:

Warum mache ich eigentlich freie Fotoprojekte?

Das Jugendlichen-Projekt ist ja nicht mein erstes Fotoprojekt. Angefangen habe ich vor über einem Jahr mit dem Projekt “Gesichter Seefelds”. Und ständig fallen mir neue Dinge ein, von denen ich das Gefühl habe, dass ich sie unbedingt fotografieren muss. Für diesen Zweck gibt es bei mir am Schreibtisch einen Kartekasten, wo all diese Ideen abgelegt werden.

Irgendjemand hat einmal gesagt, dass die Kamera kein Apparat zum Foto-machen ist, sondern eine Eintrittskarte in Welten, die einem sonst verschlossen blieben. Dieser Aussage kann ich nur voll und ganz zustimmen. Dank meiner Kamera kann ich Dinge kennen sehen, die ich ohne niemals zu Gesicht bekommen würde. Man geht ja nicht einfach zu x-beliebigen Jugendlichen und sagt: “He, lass mich einmal dein Zimmer anschauen.”

In Fotoprojekten kann ich Dinge machen, die mich einfach interessieren. Gleichzeitig verbessere ich meine Technik, was auch meinen kommerziellen Arbeiten nützt. Mehr und mehr komme ich dahinter, dass der Stil, den meine freien Arbeiten haben, der Stil ist, der mir am besten gefällt und der für mich steht. Hier zeigt sich meine fotografische Handschrift am besten und unverfälscht.

George Mallory, der Fast-Erstbesteiger des Mount Everest, wurde einmal von Journalisten gefragt, warum er den Everest besteigen wolle. Er antwortete darauf: “Weil er da ist.” Mir geht es mit meinen Fotoprojekten ähnlich. Ich mache diese, weil die Themen in mir sind, weil es mich glücklich macht, solche Projekte durchzuführen. Oder anders gesagt: Ich muss einfach.

Tina in ihrem Zimmer

Wie sind die Fotos entstanden

Der Ablauf der einzelnen Shootings war recht ähnlich. Zunächst habe ich mit den Jugendlichen direkt oder ihren Eltern einen Termin vereinbart. Angereist bin ich stets mit kleiner Ausrüstung, also Kamera mit maximal zwei Linsen und einem extern benutzen Aufsteckblitz. Das war’s.

Wenn ich dann im Zimmer war, habe ich die Jugendlichen gefragt, wo sie sich denn normalerweise aufhalten, welche Tätigkeiten sie wo in ihrem Zimmer verrichten. Interessanterweise machen die meisten alles von ihrem Bett aus, sogar die Hausaufgaben.

Anschließend ging es ans Fotografieren, wo ich die Jugendlichen weitgehend allein habe posieren lassen. Nur ab und zu gab ich ein paar Tipps oder habe sie z.B. gebeten, eine Haarsträhne aus dem Gesicht zu streichen. Ansonsten wollte ich es so authentisch wie möglich haben.

Wie geht’s weiter?

Geplant ist, die Fotos in einer Ausstellung zu zeigen. Und ich werde mich natürlich wieder meinen nächsten Projekten widmen. Welchen, das möchte ich noch nicht verraten. Nur soviel vorweg: Diesmal wird’s multimedial.

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