Interview mit Frank Luger

Von Fotograf zu Fotograf: Interview mit Frank Luger

Frank Luger ist Werbefotograf und Portraitfotograf in Albstadt/Deutschland. Im Gegensatz zu vielen anderen hat er eine klassische Fotografenausbildung absolviert. In letzter Zeit konnte er zudem zahlreiche Auszeichnungen im Bereich Portraitfotografie erringen. In diesem Interview lässt er uns an seinen Erfahrungen teilhaben..

Albert Bloch (AB): Herr Luger, Sie sind einen recht traditionellen Weg in die Fotografie gegangen. Würden Sie Berufsanfängern auch empfehlen, den Weg über Lehre und Meisterprüfung zu gehen? Welche Vor- und Nachteile hat dieser Weg?

Frank Luger (FL): Ich denke, dass auch in der Fotografie ein fundiertes Fachwissen für einen erfolgreichen Fotografen existenziell wichtig ist. Eine Ausbildung bei einem gutem Fotografen kann sicherlich ein guter Einstieg in die professionelle Fotografie sein. Sie ist natürlich kein Garant für gute Fotografie an sich. Der Meisterprüfung stehe ich mittlerweile etwas zwiegespalten gegenüber. Den großen Vorteil sehe hier darin, dass man Grundkenntnisse in der Buchführung, Ausbildung sowie in anderen gesetzlichen Vorgaben erhält. Sie ist aber sicherlich heute kein Merkmal mehr für eine gute oder schlechte Fotografie.

AB: Sie arbeiten einerseits für Werbekunden und andererseits für Privatkunden, denen Sie Porträts anbieten? Wie kam es zu dieser zweigleisigen Ausrichtung?

FL: Aus der Werbefotografie kommend ist natürlich die Wirtschaftskriese 2009 auch nicht spurlos an mir vorbei gegangen. Um eine gewisse Kontinuität zu garantieren, habe ich nach Möglichkeiten gesucht. Da mir die Arbeit mit Menschen immer Spaß gemacht hat, war der Einstieg in die People- & Portraitfotografie der logischste Weg für mich. Der Erfolg liegt hier bei sicherlich darin, dass ich die Portraitfotografie unverkrampft und frei angehe. Der Spaß, den ich bei der Fotografie hier habe, wird von meinen Kunden gespürt und honoriert.

Bildsprache ist wichtig

AB: Viele Fotografen jammern, dass sich v.a. in der Privat-Fotografie kaum mehr Geld verdienen lasse. Wie sehen Sie das?

FL: Der Markt ist sicherlich nicht einfach, aber welches Business ist das schon? Ich für meinen Teil denke, dass für eine gute Qualität sicherlich immer ein Markt besteht, der bedient werden  muss. Durch eine spannende Bildsprache sowie neue Bildideen kann auch Bedarf generiert werden. Und wenn nach außen professionell kommuniziert wird, ist es auch einleuchtend, dass gute Fotografie Geld kostet.

 AB: Und wie ist es in der Business-Fotografie?

FL: Ich denke, der Markt der Werbe- und Businessfotografie hat sich in den letzten Jahren noch stärker gewandelt. Hier fallen die „einfachen“ Jobs einfach weg, weil diese durch die Marketingabteilungen der Firmen oder durch Bildagenturen abgedeckt werden. Die Produktionen werden hier immer aufwändiger, die Produktionszeiten werden immer kürzer und auch das Niveau der Fotografie bzw. der Bildsprache ist einfach gestiegen.

Spezialisierung in manchen Bereichen ein Vorteil

AB: Was muss ein Fotograf Ihrer Meinung nach heute mitbringen, um Erfolg zu haben?

FL: Ein Fotograf muss eine eigene Bildsprache, einen eigenen Bildlook mitbringen. Eine professionelle Arbeitsweise sowie ein professionelles Auftreten halte ich für das wichtigste überhaupt. Der Fotograf muss sich mit seinem Portfolio und seinen Bildern als Marke darstellen. Der Mensch, der hinter dem Beruf des Fotografen steht, ist sicherlich am meisten verantwortlich für den Erfolg des Ganzen. Einen Teil meiner Aufgabe sehe ich einfach darin, ein Unterhalter zu sein und die Gabe zu haben, Menschen motivieren zu können. Man muss Organisator sowie Phantast und Visionär sein.

AB: Sind fotografische Generalisten heute überhaupt noch gefragt oder gehört die Zukunft denen, die sich spezialisieren?

FL: Wenn ich die Frage genau beantworten könnte, wäre ich schon weiter. Ich habe mit meinem Studio eine gewisse Größe erreicht, bei der es einfach wichtig ist, einen gewissen Grundumsatz zu haben, um die Kosten zu decken. Für mich hier ist es generell einfacher, breiter ausgerichtet zu sein. In vielen Bereichen, wie z.B. Food- oder auch Architekturfotografie, sehe ich eine Spezialisierung als Vorteil.

AB: In letzter Zeit konnten Sie einige Auszeichnungen erringen. Welchen Stellenwert hat das für Sie? Und bringen diese Preise auch kommerziell etwas?

FL: Mich als Fotograf haben die Auszeichnungen auf jeden Fall menschlich wie auch fachlich weitergebracht. Ich kann nur jedem empfehlen, sich mit anderen zu messen oder sich auszutauschen. Wegen einer Auszeichnung an der Wand hat man noch nicht mehr Geld in der Tasche, aber es öffnet einem schon etliche Türen. Auch die Zusammenarbeit mit Partnern gestaltet sich einfacher.

Empfehlungsmarketing bringt die meisten Kunden

AB: Ihrer Erfahrung nach: Mit welchen Maßnahmen gelingt es, neue Kunden zu akquirieren, was funktioniert nicht?

FL: Ich versuche generell mit bestehenden Kunden in Kontakt zu bleiben, sei es über Mails, Newsletter, Blogeinträge, Aussendungen oder auch Veranstaltungen bei uns im Studio. So gennannte „Kaltakquise“ funktioniert nur schwer, bei Aussendungen oder Werbemaßnahmen an potenzielle Neukunden ist einfach Geduld angesagt. Die Weiterempfehlung funktioniert sicherlich am besten.

AB: Vielen Dank für das Interview!

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