Muss ein Fotograf Geschichten erzählen können?

Heinz Strasser in seinem Museum

Der letzte Blogeintrag handelte von Visual Storytelling. Das wirft die Frage auf, ob ein Fotograf überhaupt Geschichten erzählen können muss? Reicht es nicht aus, einfach gute Bilder zu machen? Mit gut meine ich saubere Lichtsetzung und handwerklich einwandfreie Umsetzung.

Wenn man sich die Schaufenster diverser Fotografen anschaut, könnte man meinen, dass die obige Prämisse zutrifft. Denn die sind voll mit den immergleichen, technisch einwandfreien Porträts-, Hochzeits-, Baby- und Schwangerenbildern. Schöne Fotos – aber eben auch steril und austauschbar.

Inhalt schlägt Perfektion

Das Foto zu Beginn dieses Beitrags zeigt den Leiter des Seefelder Heimatmuseums, Heinz Strasser, inmitten seiner Schätze. Natürlich hätte ich von ihm auch ein ganz klassiches Porträt machen können, vielleicht in edlem Schwarzweiß. Das markante Gesicht Strassers böte sich dazu an.

Die Frage laute allerdings: Was ist interessanter – ein einfaches Porträt oder das obige Bild, das definitiv mehr erzählt?

Ich denke, die Antwort ist klar. Ein Bild, das eine Geschichte erzählt, wird eines, das einfach nur handwerklich perfekt ist, immer schlagen.

 

Was bedeutet das für (Berufs-)Fotografen?

Eines ist klar: Für Hobbyfotografen ist es vollkommen egal, wie sie fotografieren und was sie fotografieren. Bei manchen hat man sowieso den Eindruck, dass es weniger um die Bilder an sich geht. Hier zählen Dinge wie Ausrüstung, fotografische Gestaltungsregelen etc. mehr.

Für Berufsfotografen ist es allerdings essenziell, die Zeichen der Zeit zu erkennen. Immerhin leben sie davon, das anzubieten, was ihren Kunden am meisten nützt. Oftmals tun sie das aber nicht, sondern liefern das, was sie schon immer gemacht haben. Und die Kunden sind in vielen Fällen fotografisch nicht so geschult, das zu erkennen. Sie bekommen zwar technisch einwandfreie Fotos. Doch gerade für Firmen- und Werbekunden wären Bilder, die ihre Geschichte transportieren, viel besser geeignet.

 

Eine gute Geschichte wird von potenziellen Kunden gehört

Ich bin natürlich auch kein Prophet, der vorhersagen könnte, wie die Berufsfotografie in 15 Jahren ausschauen wird. Allerdings stimmt es mich sehr zuversichtlich, dass führende Stimmen in der Fotografenszene schon heute der Ansicht sind, dass erfolgreiche Fotografen in Zukunft vor allem Geschichtenerzähler sein müssen.

Leute wie ich, die journalistisch ausgebildet sind und gelernt haben, Geschichten zu erzählen, sind da natürlich im Vorteil. Und es gibt schon vereinzelt Kunden, die erkannt haben, dass sie mit schönen Werbefotos nicht mehr optimal punkten. Ihnen liefere ich gern komplette Storys, die mittels Fotos, Video und Ton transportiert werden. Die belieferten Firmen können damit ihre Geschichte in verschiedenen Medien erzählen und gewinnen damit das Interesse potenzieller Kunden.

Das klassische Fotostudio, in dem Porträts, Akte, Babyfotos etc. angeboten werden, scheint ein Auslaufmodell zu sein. Die Foto-Consulterin Martina Mettner, mit der ich mich darüber unterhalten habe, meinte: “In ein paar Jahren wird’s das nicht mehr geben, weil Porträts und Hochzeiten großteils in der Hand von Amateuren sein werden.” Umso unverständlicher ist für mich, dass sich noch immer so viele Neueinsteiger in die professionelle Fotografie auf diesen Bereich festlegen.

Die Fotografie als Teil des Visuel Storytelling kommt all jenen entgegen, die etwas zu sagen haben, die neugierig sind und in mehreren Medien daheim.

 

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