Warum der Charity-Event von Fürst Albert in Seefeld wenig mit Wohltätigkeit zu tun hat

2014-03-22_ors_starteam-sa_09

Hatten gut lachen: Mauro Serra (l.) und Fürst Albert (r.) vom Star-Team for Children mit TVB-Direktor Markus Tschoner
(Bild: Star Team for Children)

 

Ende März 2014 gastierte das von Fürst Albert II von Monaco mitgegründete “Star Team for Children” in Seefeld. Der Fürst lud prominenten SporlerInnen aus aller Welt nach Seefeld, um Gutes für Kinder zu tun. Konkret ging es darum, Spenden für die Renovierung einer Kinderkrankenstation nahe Madagaskar zu sammeln.

So weit, so ehrenvoll, könnte man meinen. Das scheinbar so glatte und schöne Bild bekommt allerding gehörig Falten und Unschönheiten, wenn man etwas genauer hinschaut. Dann merkt man nämlich, dass es mit der Wohltätigkeit hinter diesem Event nicht weit her ist.

Leserbrief rief zahlreiche Reaktionen hervor

Weil mich das nicht kalt ließ, habe ich zu dem Thema einen Leserbrief verfasst, der am 5. April 2014 ungekürzt in der Tiroler Tageszeitung erschien. Für alle, die ihn nicht gelesen haben, hier noch einmal der Volltext:

 

Charity – was hat das noch mit Wohltätigkeit zu tun?

Ende März lud Fürst Albert von Monaco Prominenz aus Nah und Fern zu einem Charity-Wettkampf nach Seefeld ein. Ziel der Aktion: Es sollte Geld gesammelt werden, um eine heruntergekommene Kinder-Krankenstation auf Madagaskar zu renovieren. So weit, so löblich – oder doch nicht? Wenn man sich Aufwand und Ertrag der Aktion anschaut, bleiben nämlich einige Fragen offen:

Der Tourismusverband der Olymiaregion Seefeld jubelte. TVB-Direktor Markus Tschoner freute sich, dass Fürst Alberts „Star Team for Children“ ausgerechnet Seefeld zum Austragungsort des Wettkampfes erkoren hatte. Die Entscheidung dürfte dem Fürsten leicht gefallen sein, immerhin finanzierte der TVB Seefeld diese mit einer Subvention von 85.000 Euro. (die Summe hat sich etwas reduziert –  siehe folgenden Artikel)

Demgegenüber stehen 23.000 Euro, die der Event eingebracht hat. Angesichts des Aufwandes, der getrieben wurde, erscheint diese Summe nicht gerade üppig. Man ist geradezu verleitet zu fragen, ob es sich der monegassische Thronfolger nicht leisten kann, eine solche Summe aus der eigenen Tasche zu zahlen.

Es steht außer Frage, dass so ein Charity-Event viele Nutznießer hat: die Seefelder Hotellerie und Gastronomie z.B., welche die Sportgrößen versorgen durfte; den TVB, der die Veranstaltung zu Werbezwecken nutzte; nicht zuletzt die teilnehmenden Sportler selbst, die ein paar Tage in der Olympiaregion verbringen durften. Die Kinder, um die es scheinbar geht, die kommen erst ganz zum Schluss auf der Skala der Wertigkeit.

Wie so oft hat Charity heute nur wenig mit Wohltätigkeit zu tun. In erster Linie geht es um Werbung und darum, dass die Bussi-Bussi-Gesellschaft sich selbst im besten Licht präsentieren kann. Den Besuch Fürst Alberts in Seefeld als Wohltätigkeits-Veranstaltung verkaufen zu wollen, empfinde ich deshalb – gelinde gesagt – als Beleidigung für die Intelligenz einigermaßen mitdenkender Menschen.

Offenbar stand ich mit dieser Meinung nicht allein. Denn in den nächsten Tagen kontaktierten mich zahlreiche Menschen aus Seefeld und dem übrigen Tirol, um mir zu diesem Artikel zu gratulieren.

 

Das Spendenfeuerwerk blieb aus

In den Presseaussendungen nach und vor dem Event wurden die Vertreter des “Star Team for the Children” nicht müde zu betonen, wie dankbar sie seien, dass sich so viele Sportgrößen in den Dienst der guten Sache stellen. Als außenstehender Beobachter erwartete ich mir da ein wahres Spendenfeuerwerk – zu dem es allerdings nicht kam, ganz im Gegenteil.

Der Tourismusverband suchte sogar unlängst beim Gemeinderat Seefeld um eine Subvention von 10.000 Euro für das Event an. Bei der Sitzung anwesend war u.a. TVB-Obmann Alois Seyrling, der zugeben musste, dass nicht einmal die kolportierten 23.000 Euro an Spenden zusammengekommen waren. Nein, es konnten nur 13.000 Euro gesammelt werden. Und damit das nicht so mickrig ausschaut, hatte der TVB Seefeld noch einmal 10.000 Euro draufgelegt. Damit wären wir schon bei 95.000 Euro, die das Event gekostet hat. (Beträge haben sich geändert – siehe dazu den folgenden Artikel) 10.000 davon holte sich der TVB freilich wieder bei der Gemeinde zurück, also der Allgemeinheit, denn die Subvention hat der Gemeinderat prompt genehmigt.

 

Die Frage der Fragen – wem nützt das Ganze?

Wem nützt so ein so genanntes Charity-Event, frage ich mich. Und warum sind die Verantwortlichen nicht ehrlich und sagen, dass das Ganze wenig mit Wohltätigkeit zu tun hat, sondern mit ganz anderen Dingen?

Im Fall von Fürst Albert und dem “Star Team for Children” geht es wohl eher darum, einen Ort zu finden, der ihnen ein paar Tage Luxusurlaub das Event finanziert. Im Falle des TVB liegt das Interesse darin, die Medienöffentlichkeit zu erreichen. (Für TVB-Direktor Markus Tschoner wurde dieses Ziel erreicht – siehe folgenden Artikel.) Hier muss allerdings die Frage gestattet sein, ob man das nicht zielgerichteter könnte, wenn man die 85.000 aufgewendeten Euro aufgewendete Summe anders einsetzt. Und natürlich nützt ein Event denjenigen Betrieben, wo die angereisten Sportler nächtigen und speisen. Erst dann, ganz am Schluss, kommen die Kinder, für die gesammelt wird. Und im Verhältnis zu den Gesamtkosten wirkt die gesammelte Summe eher kleinlich.

 

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One Trackback

  1. […] meinen Artikel auf http://www.albertbloch.at gelesen hat, weiß, dass ich kein Fan dieses sogenannten Charity-Events war und bin. Meiner Meinung […]

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